Was ist das Beschneiden von Pflanzen (Pruning)?
Das Beschneiden von Pflanzen (Pruning) steigert nicht nur den Ertrag, sondern ist in den meisten Fällen eine unverzichtbare Aufgabe bei der Gartenpflege. Wenn Sie dem Wachstum freien Lauf lassen, wachsen Ihre Pflanzen ungleichmäßig. Es bildet sich meist eine einzige dominante Hauptblüte (Hauptcola), während die darunter liegenden Äste nur kleine, luftige „Popcorn-Buds“ entwickeln.
Mit einer scharfen Pflanzenschere können Sie das Wachstum Ihrer Pflanzen gezielt steuern! Das ist sowohl im Innen- als auch im Außenbereich wichtig – besonders kritisch ist es jedoch beim Indoor-Anbau.
Im Growzelt steht Ihnen meist nur eine begrenzte Höhe zur Verfügung. Wenn Sie Glück haben, sind es 1,80 bis 2 Meter. Zieht man Töpfe, Lampenaufhängung und den Sicherheitsabstand der Pflanzenlampe ab, bleibt deutlich weniger nutzbare Höhe übrig. Deshalb müssen Sie das vertikale Wachstum Ihrer Pflanzen kontrollieren!
In engen Grow-Setups ist das Beschneiden eine absolute Notwendigkeit. Ein maximaler Ertrag ist nur möglich, wenn Sie ein flaches, gleichmäßiges Blätterdach (Canopy) schaffen. Die Pflanze tut dies nicht von alleine – sie benötigt Ihre Hilfe.
Empfohlene Schnittwerkzeuge
Scharfe, saubere Klingen sorgen für glatte Schnitte und schnelle Wundheilung.
Verschiedene Schnitttechniken zur Ertragssteigerung
Einfach ausgedrückt bedeutet Beschneiden, dass bestimmte Triebe der Pflanze mit einer Schere oder Klinge entfernt werden.
Beim einfachsten Schnitt entfernen Sie lediglich den dominanten Haupttrieb. Es gibt jedoch komplexere Schnitttechniken, die zu beeindruckend buschigen Pflanzen mit einer Vielzahl von Blütenansätzen führen. Schauen wir uns diese genauer an.
Topping (Kappen des Haupttriebs)
Topping ist eine sehr einfache Schnitttechnik, die hervorragende Ergebnisse liefert. Sie sorgt dafür, dass Licht an Stellen gelangt, die sonst im Schatten lägen, und verdoppelt mit jedem Schnitt die Anzahl der Hauptblütenstände.
Anstelle einer einzigen dominanten Hauptblüte können Sie so 4 oder mehr gleichwertige Colas entwickeln. Sie können das Topping mehrfach wiederholen, allerdings nimmt der zusätzliche Nutzen ab einem gewissen Punkt ab.
Steigert Topping wirklich den Ertrag?
Manche Züchter behaupten, Topping steigere den Ertrag nicht, da die einzelnen Blütenstände mit jedem Schnitt kleiner werden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass der Gesamtertrag (das Gewicht aller Blüten zusammen) bei getoppten Pflanzen meist höher ausfällt – vor allem unter Kunstlicht mit begrenzter Höhe. Der Grund: Das Licht verteilt sich gleichmäßiger auf mehrere gleich hohe Triebe statt auf eine einzige Spitze.
Anleitung: So toppen Sie Ihre Pflanzen richtig
Beginnen Sie mit dem Topping, wenn Ihre Pflanze etwa 25 cm hoch ist und mindestens 4 bis 5 Blattknoten (Nodien) entwickelt hat. Achten Sie auf kleine Seitentriebe an den unteren Blattachseln – dies zeigt, dass die Pflanze kräftig genug ist.
Schneiden Sie dann einfach den obersten, frischesten Trieb direkt über dem letzten Blattknoten ab. Nach wenigen Tagen entwickeln sich aus den darunter liegenden Blattachseln zwei neue Haupttriebe.
Die Pflanze wird durch den Schnitt zunächst unter Schock stehen und das Wachstum für 1 bis 3 Tage verlangsamen. Sobald sie sich erholt hat und die neuen Triebe wiederum einige Knoten gebildet haben, können Sie diese erneut kappen, um aus zwei Trieben vier zu machen. Geben Sie der Pflanze zwischen den Schnitten immer genügend Zeit (ca. eine Woche), um den Stress zu verarbeiten.
Fimming (FIM-Methode)
Fimming (abgeleitet von „Fuck I missed“) ist dem Topping sehr ähnlich, zielt aber darauf ab, noch mehr Triebe mit einem einzigen Schnitt zu erzeugen.
Während Sie beim Topping den Trieb komplett abschneiden, entfernen Sie beim Fimming nur etwa 70 bis 80 % der Triebspitze. Dadurch entstehen an der Schnittstelle oft drei bis vier (statt zwei) neue Triebe – das Ergebnis ist allerdings weniger vorhersehbar als beim Topping. Der Erholungsbedarf der Pflanze ist nach dem Fimmen meist etwas höher als beim sauberen Topping, weshalb Sie zwischen den Schnitten etwas länger warten sollten.
Lollipopping (Ausgeizen der unteren Triebe)
Lollipopping ist eine Schnitttechnik, bei der Sie sich auf das Entfernen des unteren Pflanzenwuchses konzentrieren. Während Topping und Fimming neue Triebe erzeugen, maximiert Lollipopping die Energieverteilung auf die bereits vorhandenen oberen Blütenstände.
Die Logik dahinter ist simpel: Die unteren Äste der Pflanze erhalten kaum Licht, da sie vom oberen Blätterdach beschattet werden. Blüten an diesen schattigen Stellen reifen nie voll aus und bleiben klein und luftig.
Durch das Abschneiden dieser unproduktiven Triebe kurz vor der Blütephase leitet die Pflanze ihre gesamte Energie in die oberen Bereiche um, die direkt unter der Lampe liegen. Dadurch entsteht die namensgebende Lolli-Form (unten nackter Stamm, oben eine dichte Blütenkrone).
Steigert Lollipopping den Ertrag?
Ja. Viele Züchter erzielen durch Lollipopping deutlich höhere und homogenere Erträge an erstklassigen Blüten. Sie können Lollipopping hervorragend mit Topping oder Fimming kombinieren: Führen Sie Topping in der frühen Wachstumsphase durch und wenden Sie Lollipopping kurz vor der Blüte an.
Anleitung: So wenden Sie Lollipopping an
Lollipopping ist unkompliziert. Der beste Zeitpunkt dafür ist die letzte Woche der Wachstumsphase oder die ersten beiden Wochen nach der Umstellung auf die Blütephase (12/12 Lichtzyklus).
Betrachten Sie Ihre Pflanze von der Seite. Alles im unteren Drittel (oder sogar bis zur Hälfte bei sehr dichten Pflanzen), das im tiefen Schatten liegt, wird entfernt. Schneiden Sie Blätter und schwache Seitentriebe direkt am Stamm ab. Achten Sie darauf, keine Hauptäste zu beschädigen, die es bis ins obere Licht geschafft haben.
Wichtige Tipps zum Beschneiden
Darf man während der Blütephase beschneiden?
Vermeiden Sie radikale Schnitte (Topping/Fimming) während der Blütephase, da dies den Hormonhaushalt der Pflanze stört und die Blütenentwicklung verlangsamt. Das Entfernen einzelner großer Fächerblätter, die tiefer liegende Blüten beschatten (Defoliation), ist in den ersten Wochen der Blüte erlaubt, sollte aber mit Maß und Ziel durchgeführt werden.
Vermeiden Sie Übertreibungen (Overpruning)
Übertreiben Sie es nicht. Weniger ist oft mehr! Jeder Schnitt bedeutet Stress und eine Wunde, die die Pflanze schließen muss. Beschneiden Sie nur gesunde, gut versorgte Pflanzen – gestresste Pflanzen (Trockenheit, Nährstoffmangel, Schädlinge) erst stabilisieren.
Pflege Ihrer Pflanzenscheren
Eine hochwertige Ernteschere hält bei richtiger Pflege viele Jahre. Halten Sie die Klingen stets scharf. Eine stumpfe Schere quetscht das Gewebe, anstatt es sauber zu trennen, was das Infektionsrisiko erhöht. Desinfizieren Sie Ihre Schere regelmäßig (z. B. mit Alkohol), insbesondere beim Wechsel von einer Pflanze zur nächsten, um die Übertragung von Viren oder Pilzen zu verhindern.
Welches sind die besten Pflanzenscheren?
Ergonomische Griffe und eine gute Federung sind entscheidend, um Ermüdung bei der Arbeit vorzubeugen.
👉 Alle Scheren im Grow24 Shop ansehen
Fazit zum Beschneiden für maximalen Ertrag
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das gezielte Beschneiden eine der einfachsten und effektivsten Methoden zur Ertrags- und Qualitätssteigerung im Indoor-Anbau ist. Weitere Methoden wie LST (Low Stress Training), ScrOG (Screen of Green) oder SOG (Sea of Green) ergänzen das Beschneiden sinnvoll. Wichtig nach jedem Schnitt: stabile Bedingungen – lesen Sie dazu auch unsere Ratgeber zu VPD und Umluft & Windschäden.
❓ FAQ: Häufige Fragen zum Beschneiden
F: Wie lange dauert es, bis sich eine Pflanze nach dem Topping erholt?
A: Normalerweise dauert die Erholungsphase 3 bis 7 Tage. Während dieser Zeit stellt die Pflanze das Höhenwachstum fast vollständig ein und konzentriert sich darauf, die Zufuhrbahnen zu den neuen Seitentrieben aufzubauen.
F: Kann ich Autoflowering-Sorten beschneiden?
A: Bei Autoflowering-Sorten ist Vorsicht geboten. Da ihre Lebensspanne genetisch fest vorgegeben ist, haben sie kaum Zeit, sich von stressigen Schnitten wie Topping zu erholen. Bei Autos empfiehlt sich eher sanftes Biegen (LST) und maximal ein leichtes Lollipopping der untersten Zweige.
F: Was ist der Unterschied zwischen Beschneiden (Pruning) und Entlauben (Defoliation)?
A: Beim Beschneiden werden ganze Triebe oder Äste entfernt, um die Wuchsform zu verändern. Beim Entlauben werden gezielt nur Blätter (meist große Sonnensegel) entfernt, um die Lichtpenetration und Luftzirkulation im Blätterdach zu verbessern.
.png?ts=1778831753)






