Der pH-Wert gehört zu den am besten kontrollierbaren Faktoren beim Anbau – und gleichzeitig zu den am häufigsten übersehenen Ursachen für vermeidbare Ertragseinbußen. Stimmt der pH-Wert, können deine Pflanzen die zugeführten Nährstoffe effizient aufnehmen. Liegt er für dein Anbaumedium auch nur um einen halben Punkt daneben, stehen wichtige Nährstoffe im Wurzelbereich deutlich schlechter zur Verfügung – ganz gleich, wie viel Dünger du gibst.
Dieser Leitfaden erklärt, was der pH-Wert ist, warum er so wichtig ist, wie du ihn präzise misst und kalibrierst, wie du ihn sicher anpasst und wie du ihn während des gesamten Anbauzyklus stabil hältst. Egal ob Erde, Coco oder ein rezirkulierendes Hydroponik-System: Die Chemie dahinter ist dieselbe – nur die Zielbereiche unterscheiden sich je nach Anbaumedium.
- 1. Was ist der pH-Wert und warum ist er wichtig?
- 2. Optimale pH-Bereiche je nach Anbaumedium
- 3. Was passiert bei zu hohem oder zu niedrigem pH-Wert?
- 4. pH messen: Messgeräte, Tropftests und Teststreifen
- 5. So kalibrierst du dein pH-Messgerät
- 6. pH-Wert richtig messen und einstellen
- 7. pH-Wert und Nährstoffverfügbarkeit
- 8. Häufige pH-Probleme und Lösungen
- 9. Tipps für einen dauerhaft stabilen pH-Wert
1. Was ist der pH-Wert und warum ist er für das Pflanzenwachstum wichtig?
Der pH-Wert gibt die Konzentration von Wasserstoffionen in einer Lösung an und wird auf einer logarithmischen Skala von 0 bis 14 gemessen. Ein pH-Wert von 7,0 gilt als neutral, Werte darunter sind sauer, Werte darüber alkalisch (basisch). Weil die Skala logarithmisch ist, ist eine Lösung mit pH 5,0 zehnmal saurer als eine Lösung mit pH 6,0 – und nicht nur ein wenig.
Für Pflanzen ist der pH-Wert so wichtig, weil er die Löslichkeit der Nährstoffe und ihre Aufnahme über die Wurzeln direkt beeinflusst. Die meisten Makro- und Mikronährstoffe sind nur in bestimmten pH-Bereichen gut löslich und damit verfügbar. Außerhalb dieser Bereiche können Nährstoffe wie Phosphor, Kalzium, Eisen oder Mangan schwer lösliche Verbindungen bilden oder in eine Form übergehen, die die Wurzeln schlechter aufnehmen.
Die Pflanze zeigt dann Mangelerscheinungen, obwohl die Nährstoffe im Tank oder im Substrat eigentlich vorhanden sind. Man spricht von einer Nährstoffblockade (Nutrient Lockout). Im Indoor-Anbau lässt sich ein großer Teil der scheinbaren Nährstoffmängel auf einen falschen pH-Wert zurückführen – und nicht auf zu wenig Dünger.
2. Optimale pH-Bereiche je nach Anbaumedium
Der richtige Zielwert hängt vom Anbaumedium und von der Bewässerungsstrategie ab. Die Bereiche sind nicht austauschbar: Hydroponik-Werte auf Erde zu übertragen – oder umgekehrt – ist ein häufiger Fehler und kann genau die Mangelerscheinungen auslösen, die du vermeiden willst.
| Anbaumedium | Akzeptabler Bereich | Optimaler Bereich |
|---|---|---|
| Erde | 6,0 – 7,0 | 6,2 – 6,8 |
| Coco (Kokos) | 5,8 – 6,3 | 5,8 – 6,2 |
| DWC / RDWC (rezirkulierend) | 5,5 – 6,2 | 5,8 – 6,0 |
| NFT | 5,5 – 6,5 | 5,8 – 6,2 |
| Steinwolle | 5,5 – 6,5 | 5,8 – 6,0 |
| Aeroponik | 5,5 – 6,0 | 5,8 – 6,0 |
Diese Bereiche entsprechen der gängigen Praxis für Cannabis und vergleichbare Kulturen. Je nach Sorte und Düngerprogramm können Pflanzen innerhalb dieser Bereiche leicht unterschiedliche Werte bevorzugen.
Erde: 6,0 – 7,0 (optimal 6,2 – 6,8)
Erde besitzt durch organische Bestandteile, Bodenleben und Mineralien eine natürliche Pufferkapazität. Sie macht den Anbau in Erde fehlertolerant, weil einzelne Gießgänge den pH-Wert kaum verschieben. Gleichzeitig wirken Korrekturen langsamer: Eine Anpassung des Boden-pH dauert mehrere Tage und Gießgänge, nicht wenige Stunden.
In diesem Bereich bleiben die meisten Nährstoffe gut verfügbar. Steigt der pH deutlich über 7,0, nimmt vor allem die Verfügbarkeit von Eisen und Mangan ab; fällt er deutlich unter 6,0, wird Phosphor schneller schlecht löslich.
Coco: 5,8 – 6,3 (optimal 5,8 – 6,2)
Coco puffert deutlich schwächer als gute Erde und verhält sich eher wie ein Hydroponik-Medium. pH-Korrekturen zeigen sich deshalb meist schon nach ein bis zwei Bewässerungen. Da Coco häufiger gegossen wird, können sich auch kleine Abweichungen schnell aufschaukeln – ein engerer Zielbereich sorgt für mehr Konstanz.
Coco-Besonderheit: Die Aufnahme von Kalzium und Magnesium reagiert in Coco besonders empfindlich auf den pH-Wert und auf das Kationenaustauschverhalten der Faser. Ein pH um 5,8–6,1, eine passende Ca/Mg-Ergänzung und der Blick auf die Härte deines Ausgangswassers helfen, die Versorgung zu optimieren. Viele vermeintliche Ca/Mg-Mängel in Coco gehen eher auf pH-Management und Wasserqualität zurück als auf zu wenig Zusatz.
DWC und rezirkulierende Systeme (NFT, RDWC): 5,5 – 6,2 (optimal 5,8 – 6,0)
Reine Hydroponik hat im Wurzelbereich praktisch keine Pufferkapazität. In einem rezirkulierenden Tank kann sich der pH-Wert in kleinen oder stark gedüngten Systemen über Nacht um fast einen ganzen Punkt verschieben, weil die Pflanzen Nährstoffe aufnehmen und dabei Ionen austauschen. Eine tägliche pH-Kontrolle ist bei DWC und anderen rezirkulierenden Systemen Standard, nicht optional. Fülle möglichst mit pH-korrigiertem Wasser nach, statt unbehandeltes Wasser nachzugießen.
Steinwolle und inerte Medien: 5,5 – 6,5
Neue Steinwolle ist von Natur aus alkalisch – je nach Hersteller und Charge oft pH 7,0–8,0. Weiche sie vor der Verwendung in einer pH-korrigierten Lösung (etwa pH 5,5–6,0) ein. Wer diesen Schritt überspringt, sieht häufig in den ersten zwei Wochen schwaches Wachstum oder Stresssymptome. Mehr zu den einzelnen Substraten liest du in Grow-Medien im Überblick.
Anbaumedien im Shop
Steinwolle, Erde und Kokos – jedes Medium mit seinem eigenen pH-Zielbereich.
3. Was passiert bei zu hohem oder zu niedrigem pH-Wert?
pH-Wert zu niedrig (sauer)
Liegt der pH-Wert unter dem optimalen Bereich, sinkt meist die Verfügbarkeit von Phosphor, Kalzium und Magnesium. Gleichzeitig können einige Mikronährstoffe (z. B. Mangan) übermäßig löslich werden – bis hin zu Toxizität. Typische Symptome sind Aufhellungen zwischen den Blattadern (interveinale Chlorose), rostfarbene Flecken, violette Stängel, eine geringere Wurzelmasse und insgesamt langsameres Wachstum. In rezirkulierenden Systemen kann ein dauerhaft niedriger pH-Wert zudem mit Wurzelproblemen durch Erreger wie Pythium zusammenhängen, wenn andere Bedingungen (Wärme, wenig Sauerstoff) sie begünstigen.
pH-Wert zu hoch (alkalisch)
Liegt der pH-Wert über dem optimalen Bereich, werden Eisen, Mangan, Zink und Bor zunehmend schlechter verfügbar. Typisch ist eine deutliche Gelbfärbung der jungen Blätter, während ältere Blätter grün bleiben. Das wird manchmal fälschlich als Stickstoffmangel gedeutet – Stickstoffmangel zeigt sich aber zuerst an den älteren, unteren Blättern. Steigt der pH in erdlosen und hydroponischen Systemen deutlich über 7,0, nimmt auch die Verfügbarkeit von Phosphor ab, und Phosphor und Kalzium können als schwer lösliche Verbindung ausfallen.
Der häufigste Fehler: jede sichtbare Mangelerscheinung mit mehr Dünger zu beantworten. Liegt der pH im Wurzelbereich daneben, bringt zusätzlicher Dünger kaum etwas – er erhöht nur die Salzbelastung und das Risiko von Ausfällungen. Die richtige Reihenfolge lautet immer: 1. pH-Wert prüfen → 2. pH auf den Bereich deines Mediums korrigieren → 3. erst dann prüfen, ob wirklich mehr Nährstoffe nötig sind. Weitere Ursachen für schwaches Wachstum findest du im Ratgeber 6 Gründe, warum Cannabispflanzen kaum wachsen.
4. pH messen: Messgeräte vs. Tropftests vs. Teststreifen
Eine genaue Messung beginnt mit der richtigen Methode – passend zur Anwendung und zur nötigen Genauigkeit.
Digitale pH-Messgeräte und pH-Stifte
Digitale Messgeräte sind im professionellen Anbau Standard. Gute Messstifte zeigen den pH-Wert auf ein bis zwei Nachkommastellen an, reagieren innerhalb weniger Sekunden und erreichen bei korrekter Kalibrierung meist eine Genauigkeit von etwa ±0,1 pH (Labor- und Tischgeräte ±0,01–0,05). Für Hobby-Grower mit einem Nährstofftank reicht ein gutes Handgerät völlig aus; in größeren Anlagen mit mehreren Tanks lohnen sich fest installierte, kontinuierlich messende Systeme.
- Bluelab Handy pH Pen: Bewährter, robuster und wasserdichter pH-Stift für Hobby-Grower und kleinere Profi-Anlagen – einfach zu kalibrieren, mit Kalibrier-Erinnerung im Display.
- Bluelab OnePen: Misst pH, EC und Temperatur in einem Gerät – besonders praktisch in Coco und Hydroponik, wo neben dem pH auch Nährstoffkonzentration und Wassertemperatur wichtig sind.
- Bluelab Guardian Monitor Wi-Fi: Für alle, die den Nährstofftank rund um die Uhr überwachen und pH-, EC- und Temperaturverläufe aufzeichnen möchten.
pH-Messgeräte im Shop
Vom einfachen pH-Stift bis zur Dauerüberwachung des Nährstofftanks.
pH-Tropftests (Flüssigindikator)
Bei Tropftests gibst du einige Tropfen Indikatorlösung zu einer Wasserprobe und vergleichst die Farbe mit einer Farbskala. Die Genauigkeit liegt bei etwa ±0,5 pH – genug, um grob festzustellen, ob du im richtigen Bereich liegst, aber zu ungenau für Systeme, in denen wenige Zehntel entscheiden. Gut geeignet als schnelle Kontrolle oder Notlösung, wenn das Messgerät gerade kalibriert werden muss.
pH-Teststreifen
Teststreifen sind die ungenaueste Methode: Die praktische Auflösung liegt meist bei 0,5–1,0 pH-Einheiten. Sie sind günstig und reichen für eine grobe Kontrolle von Gießwasser, wenn du nur wissen willst, ob es neutral, stark sauer oder alkalisch ist. Für Coco und Hydroponik, wo der pH zum Beispiel zwischen 5,8 und 6,2 liegen muss, ist ein kalibriertes digitales Messgerät dringend zu empfehlen.
5. So kalibrierst du dein pH-Messgerät
Ein lange nicht kalibriertes Messgerät kann problematischer sein als gar keins – es täuscht eine Genauigkeit vor, die es nicht hat. Durch die Kalibrierung werden Abweichungen der Elektrode durch Alterung, Ablagerungen und Temperatur ausgeglichen. Die folgenden Schritte gelten für die meisten digitalen Geräte, z. B. von Bluelab, Hanna und vergleichbaren Herstellern.
Das brauchst du
- Destilliertes Wasser oder Umkehrosmosewasser (RO) zum Abspülen
- Kalibrierlösung pH 7,0
- Kalibrierlösung pH 4,0 (oder pH 10,0, wenn du regelmäßig im alkalischen Bereich misst)
- KCl-Aufbewahrungslösung für die Elektrode
Kalibrierlösungen nie wiederverwenden: Gebrauchte Pufferlösung wird durch Verunreinigungen und CO₂ aus der Luft verfälscht. Gib für jede Kalibrierung eine kleine Menge in einen separaten Becher, verwende sie und entsorge sie danach.
Kalibrier- und Aufbewahrungslösungen
Frische Pufferlösungen und KCl-Aufbewahrungslösung für genaue Messwerte und eine lange Lebensdauer der Elektrode.
Wann solltest du kalibrieren?
- Vor der ersten Verwendung
- Mindestens alle 30 Tage bei regelmäßiger Nutzung (bei intensiver gewerblicher Nutzung wöchentlich prüfen)
- Nach einem Batteriewechsel (falls zutreffend) und nach einer gründlichen Reinigung der Elektrode
- Immer dann, wenn Messwerte unplausibel erscheinen oder von einer Referenzlösung abweichen
Zweipunktkalibrierung Schritt für Schritt
- Elektrode reinigen: Spitze mit destilliertem Wasser oder RO-Wasser abspülen. Ist sie trüb oder belegt, nach Herstelleranleitung reinigen.
- Elektrode befeuchten: Wurde sie trocken gelagert oder ist sie neu, 15–30 Minuten in KCl-Aufbewahrungslösung (notfalls pH-7-Lösung) stellen.
- Erster Punkt – pH 7,0: Abspülen, in pH-7,0-Lösung tauchen, stabilen Wert abwarten und gemäß Anleitung kalibrieren (meist CAL-Taste).
- Zwischenspülen: Zwischen den Lösungen immer mit destilliertem Wasser abspülen, damit sich die Puffer nicht vermischen.
- Zweiter Punkt – pH 4,0 (oder 10,0): Elektrode eintauchen, stabilen Wert abwarten, zweiten Punkt kalibrieren. Für eine Dreipunktkalibrierung (wenn dein Gerät sie unterstützt) folgt danach pH 10,0.
- Richtig aufbewahren: Die Elektrode nie trocken und nie in destilliertem Wasser lagern, sondern in KCl-Aufbewahrungslösung. Ausgetrocknete Elektroden messen unzuverlässig und halten kürzer.
6. pH-Wert richtig messen und einstellen
Nährlösung messen (Hydroponik und Coco)
- Gründlich umrühren: Nährstoffe verteilen sich ungleichmäßig und können sich absetzen.
- Elektrode abspülen und die Spitze in die Lösung tauchen.
- Richtige Messposition: möglichst mittig, mit Abstand zu Behälterwand, Luftsteinen und Zuleitungen.
- Stabilen Wert abwarten: je nach Gerät meist 10–30 Sekunden.
- Notieren und vergleichen mit dem Zielbereich deines Systems.
Den pH-Wert richtig einstellen
- Erst die Nährstoffe, dann der pH: Dünger verändert den pH-Wert des Wassers oft deutlich. Gib alle Nährstoffe zu, rühre gut um und miss erst dann den Ausgangswert, bevor du pH-Regulator zugibst.
- In kleinen Schritten: pH-Regulatoren sind hoch konzentriert. Beginne mit einer sehr kleinen Menge – als Richtwert etwa 0,1–0,25 ml pro Liter, je nach Produkt und Herstellerangabe – mische gut und miss erneut. Nachlegen ist einfacher, als eine Überkorrektur rückgängig zu machen.
- Überdosierung nicht mit dem Gegenmittel ausgleichen: Wer zu viel pH-Minus erwischt hat, sollte nicht sofort mit pH-Plus gegensteuern. Wiederholte Zugaben beider Mittel erhöhen die Salzkonzentration und können Nährstoffe lokal ausfallen lassen. Verdünne stattdessen mit frischem Wasser oder setze die Lösung neu an.
- Durchmischen lassen: Nach jeder Zugabe gründlich rühren und 2–3 Minuten warten, bevor du erneut misst – bei großen Tanks auch länger.
- Dokumentieren: Notiere, wie viel Regulator du pro Liter für dein Wasser und deine Düngermischung brauchst. Ändert sich die nötige Menge plötzlich, ist das oft der erste Hinweis auf veränderte Wasserqualität oder ein Kalibrierproblem.
pH-Regulatoren im Shop
Zum präzisen Einstellen der Nährlösung – immer in kleinen Schritten dosieren.
7. pH-Wert und Nährstoffverfügbarkeit
Die meisten Grower kennen die typische Nährstoffverfügbarkeitstabelle mit unterschiedlich breiten Balken entlang der pH-Skala. Die genauen Kurven hängen von Substrat und Düngerzusammensetzung ab, die wichtigsten Erkenntnisse sind aber bei Cannabis und vielen anderen Kulturen ähnlich:
- Stickstoff, Phosphor, Kalium: in Erde etwa zwischen pH 6,0 und 7,0 gut verfügbar; unter etwa 5,5 und über 7,5 nimmt die Verfügbarkeit deutlich ab.
- Kalzium und Magnesium: am besten verfügbar zwischen etwa pH 6,0 und 7,5; bei niedrigeren Werten steigt das Risiko einer Blockade.
- Eisen, Mangan, Zink, Kupfer und Bor: tendenziell am besten verfügbar zwischen pH 5,0 und 7,0. Vor allem Eisen wird über pH 7,0 zunehmend schlechter aufgenommen.
- Molybdän: die Ausnahme – seine Verfügbarkeit nimmt mit steigendem pH zu.
Der Bereich, in dem alle essenziellen Nährstoffe gleichzeitig ausreichend verfügbar sind, ist enger, als viele denken. In inerten Substraten und Hydroponik ist pH 5,8–6,2 ein praktikabler Kompromiss – deshalb liegen die Empfehlungen für DWC meist bei 5,8–6,0 und nicht in einem breiteren Bereich.
8. Häufige pH-Probleme und wie du sie behebst
Problem: Der pH-Wert im Tank verändert sich ständig
In rezirkulierenden Systemen ist eine pH-Drift normal – entscheidend ist die Richtung:
- pH steigt: Das ist bei nitratbetonten Düngern der häufigste Fall. Nehmen die Pflanzen viel Nitrat auf, geben die Wurzeln basisch wirkende Ionen ab, und der pH-Wert klettert langsam nach oben – ein Zeichen aktiver Nährstoffaufnahme.
- pH sinkt: Ursachen sind oft ein hoher Ammoniumanteil im Dünger (bei der Ammoniumaufnahme geben die Wurzeln Wasserstoffionen ab), CO₂ aus der Atmung von Wurzeln und Mikroorganismen sowie abbauendes organisches Material. Sinkt der pH dauerhaft und riecht die Lösung muffig, prüfe die Wurzeln auf Fäulnis.
Lösungen:
- Häufiger nachfüllen: Je weniger Lösung im Tank ist, desto stärker schwanken Konzentration und pH.
- Tank lichtdicht halten: Licht fördert Algen und Biofilm, die den pH-Wert instabil machen (tagsüber steigt er durch die Photosynthese der Algen, nachts und beim Absterben sinkt er).
- Automatische pH-Regelung erwägen: Bei größeren Anlagen lohnt sich eine automatische Dosierung mit Dauerüberwachung.
- Düngerprogramm prüfen: Ein ausgewogenes Verhältnis von Nitrat- zu Ammoniumstickstoff stabilisiert den pH-Wert in hydroponischen Systemen.
Problem: Der pH-Wert verschiebt sich nach dem Umtopfen in Coco
Frisches Coco kann den pH-Wert der Nährlösung vorübergehend verändern – auch wenn es gespült ist. Grund ist der Kationenaustausch: Ungepuffertes Coco gibt Natrium und Kalium ab und bindet Kalzium und Magnesium. Lösung: Verwende gepuffertes Coco oder puffere es vor dem Umtopfen gründlich mit einer Ca/Mg-Lösung. Gieße anschließend mit einer auf etwa pH 5,8–6,0 eingestellten Nährlösung, bis der pH-Wert des Drainagewassers bei mindestens zwei aufeinanderfolgenden Gießgängen stabil bleibt. Kontrolliere in der ersten Woche sowohl Zulauf als auch Drainage.
Problem: Das Messgerät liefert schwankende Werte
Unregelmäßige oder offensichtlich falsche Werte gehen meist auf fehlende Kalibrierung oder Pflege zurück – nicht auf einen Defekt. So gehst du vor: Elektrode mit der vom Hersteller empfohlenen Reinigungslösung säubern und abspülen, 15–30 Minuten in KCl-Aufbewahrungslösung stellen, mit frischen Pufferlösungen neu kalibrieren. Bleibt die Messung trotzdem ungenau, hat die Elektrode wahrscheinlich ihr Lebensende erreicht: pH-Elektroden sind Verschleißteile und halten bei regelmäßiger Nutzung typischerweise 1–2 Jahre.
Problem: Der pH-Wert der Erde ändert sich trotz Bodenhilfsstoffen nicht
Erde widersteht schnellen pH-Änderungen. Schwefel (zum Senken) oder Kalk (zum Anheben) brauchen oft mehrere Wochen, bis sich im Wurzelbereich etwas messbar ändert – besonders in Böden mit hoher Kationenaustauschkapazität (KAK). Lösung: Miss 7–10 Tage nach der Anwendung erneut und gieße weiter mit pH-reguliertem Wasser. In stark gepufferten Böden können mehrere Anwendungen über Wochen oder Monate nötig sein; eine Bodenanalyse im Labor hilft, eine Überkorrektur zu vermeiden.
9. Tipps für einen langfristig stabilen pH-Wert
- Kenne dein Ausgangswasser: Hartes Wasser mit hoher Alkalität (Karbonathärte) lässt den pH-Wert der Nährlösung immer wieder ansteigen und puffert gegen Korrekturen. Teste dein Leitungs- oder Brunnenwasser mindestens einmal auf pH und Härte – oder nutze eine Umkehrosmoseanlage, um bei null zu starten.
- Nachfüllwasser immer einstellen: Jede Nachfüllung mit reinem Wasser verdünnt die Lösung und verändert den pH-Wert – passe daher auch Nachfüllmengen an.
- Zulauf und Drainage gemeinsam messen: Der Unterschied zeigt dir, wie sich das Substrat verhält. Wird die Differenz größer, reichern sich im Wurzelbereich Salze, Bicarbonate oder organische Säuren an.
- Regelmäßig kalibrieren: Zeigt dein Gerät zum Beispiel 0,2 Einheiten zu viel an, lag jeder vermeintlich korrekte Wert in Wahrheit daneben – in einem engen Bereich von 5,8–6,0 ist das entscheidend.
- Alles aufschreiben: Die nötige pH-Minus-Menge für dein Wasser und deine Düngermischung bleibt meist ähnlich. Wer sie notiert, erkennt Veränderungen sofort.
Der pH-Wert hängt eng mit der Bewässerung zusammen – lies dazu auch unseren Ratgeber Pflanzen richtig gießen. Und wenn die Werte stimmen, aber das Klima nicht, hilft der VPD-Rechner weiter.
❓ FAQ: Häufige Fragen zum pH-Wert
F: Welcher pH-Wert ist für Cannabis in Erde ideal?
A: In Erde liegt der akzeptable Bereich bei pH 6,0–7,0, ideal sind etwa 6,2–6,8. Durch die Pufferwirkung der Erde reicht es meist, das Gießwasser bzw. die Nährlösung in diesen Bereich zu bringen.
F: Welcher pH-Wert ist für Coco und Hydroponik richtig?
A: In Coco etwa 5,8–6,2, in DWC und rezirkulierenden Systemen etwa 5,8–6,0. Diese Medien puffern kaum, deshalb solltest du hier genauer und häufiger messen.
F: Wie oft muss ich mein pH-Messgerät kalibrieren?
A: Mindestens alle 30 Tage bei regelmäßiger Nutzung, bei intensiver Nutzung wöchentlich prüfen – und immer, wenn die Werte unplausibel wirken. Verwende dafür frische Pufferlösungen pH 7,0 und pH 4,0.
F: Warum zeigt meine Pflanze Mangelerscheinungen, obwohl ich genug dünge?
A: Sehr oft ist der pH-Wert im Wurzelbereich die Ursache (Nährstoffblockade). Prüfe zuerst den pH-Wert von Zulauf und Drainage, korrigiere ihn und beobachte den Neuaustrieb, bevor du die Düngermenge erhöhst.
F: Darf ich pH-Minus und pH-Plus abwechselnd verwenden?
A: Besser nicht. Jede Zugabe erhöht die Salzkonzentration. Dosiere in kleinen Schritten; bei einer Überkorrektur lieber mit frischem Wasser verdünnen oder neu ansetzen.
pH-Wert im Griff – mit dem richtigen Messgerät
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